Ten-year waste management programme 1995-2005 also in German

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SUP zum 2. niederländischen 10-Jahres-Abfallwirtschaftsprogramm 1995-2005

(Arbter, 1999)

Überblick

  • SUP zur Fortschreibung des 1. niederländischen Abfallwirtschaftsprogramm
  • Ähnlicher Prozeßablauf wie bei der SUP zum 1. NL Abfallwirtschaftsprogramm
  • Sehr umfassende Analyse der Umweltauswirkungen durch die Lebenszyklus-Analyse, die Auswirkungen in allen Phasen der Abfallbehandlung berücksichtigt; allerdings komplizierte, wenig transparente und schwer nachvollziehbare Methodik, die mit beachtlichen Unsicherheiten und einem enormen Daten- und Kalkulationsaufwand behaftet ist
  • Optimale Berücksichtigung indirekter Auswirkungen (z.B. vermiedene Emissionen durch Rückgewinnung von Rohstoffen und Energie)
  • Ergebnis: die Alternative, die verstärkt auf Mülltrennung setzt, ist die umweltverträglichste
  • SUP brachte deutliche Erleichterungen für die Abfallwirtschaftskonzepte der Regionen, auf dieser Ebene muß nur mehr eine SUP durchgeführt werden, wenn neue Standorte für Verwertungsanlagen festgelegt werden

Inhalt des Abfallwirtschaftsprogramms und untersuchte Handlungs-Alternativen

Aufbauend auf das vorangegangene Abfallwirtschaftsprogramm 1992-2002 wurden in der SUP zum 2. Abfallwirtschaftsprogramm für den Zeitraum von 1995-2005 die Prognosen zum Abfallaufkommen aktualisiert und neue Behandlungstechnologien miteinbezogen. Es wurden wieder zwei Szenarien zur Entwicklung des Abfallaufkommens erstellt.

Die Auswirkungen von vier Handlungs-Alternativen wurden verglichen:

   * Fortsetzung der Abfallwirtschaftspolitik des ersten Abfallwirtschaftsprogramms
   * Anwendung neuer, kombinierter Technologien
   * Verstärkte Anwendung biologischer Techniken
   * Verbesserte Mülltrennungs-Techniken

Ablauf des SUP-Prozesses und Öffentlichkeitsbeteiligung

Der Ablauf des SUP-Prozesses und die Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgten wie bei der SUP zum 1. niederländischen 10-Jahres-Abfallwirtschaftsprogramm

Methode zur Analyse der Umweltauswirkungen

Für den Alternativen-Vergleich wurde eine neue Methode, die Lebenszyklus-Analyse, angewandt. Diese Methode wurde ursprünglich zur systematischen Bewertung der Umweltauswirkungen eines Produktes von seinen Rohstoffen über die Produktion und Verwendung bis zur Entsorgung entwickelt (Öko-Bilanz). Die Umweltbewertung wird in Form eines Öko-Profils dargestellt. Als Bewertungsmethode für eine Abfall-SUP versucht die Lebenszyklus-Analyse die Summe aller Umweltauswirkungen in sämtlichen Phasen der Abfallentsorgung zu beleuchten.

Einerseits kann die Lebenszyklus-Analyse zum Vergleich der Umweltauswirkungen einzelner Abfallbehandlungstechnologien angewandt werden. Voraussetzung für die Vergleichbarkeit ist allerdings, daß vom gleichen Müll-Input ausgegangen wird, der dann die verschiedenen Behandlungsverfahren durchläuft. In der Realität sind die Fraktionen, die den einzelnen Verfahren zugeführt werden, allerdings unterschiedlich. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich bestimmte Verfahren nur für bestimmte Fraktionen eignen. Außerdem werden in der Abfallwirtschaft immer verschiedene Techniken kombiniert. Daher hat der isolierte Vergleich der Umweltauswirkungen verschiedener Einzeltechniken wenig praktische Bedeutung. Wichtiger ist die Anwendung der Lebenszyklus-Analyse für den Vergleich der Handlungsalternativen, die eine Kombination verschiedener Entsorgungstechniken umfassen.

Die Lebenszyklus-Analyse wurde in fünf Stufen durchgeführt:

1. Zieldefinition und Festlegen des Untersuchungsrahmens: In diesem Schritt wurden grundsätzliche Rahmenbedingungen, wie der Zeithorizont, der Genauigkeitsgrad und der Schwerpunkt der Studie festgelegt. Außerdem wurde die "Funktionseinheit" der Lebenszyklus-Analyse festgelegt, nämlich "die Behandlung einer Tonne Müll"

2. Analyse des gesamten Lebenszyklus einer Tonne Müll: Dazu gehören beispielsweise die Müllsammlung, die Verbrennung, die Rauchgasreinigung, die Gewinnung von Wärme und Strom, die Gewinnung verwertbarer Metalle, die Verwertung anderer Stoffe sowie die Lagerung chemischer Abfälle und Verbrennungsrückstände.

Der Lebenszyklus eines Produktes (von der Produktion über den Gebrauch bis zur Entsorgung) wird in einzelne Schritte einer Prozeßkette aufgegliedert. Die Umweltauswirkungen jedes Prozeßschrittes werden analysiert, beispielsweise der Flächenverbrauch, der Ressourcenverbrauch oder die Emissionen. Aus der Summe der Auswirkungen jedes Einzelschrittes ergibt sich die Gesamtauswirkung im gesamten Lebenszyklus.

3. Klassifikation der Umweltauswirkungen: In diesem Schritt werden die zu erwartenden Umweltauswirkungen im gesamten Lebenszyklus in Zahlenwerte für folgende zehn Umweltbereiche umgerechnet:

   * Toxizität für den Menschen
   * Toxizität für Gewässerökosysteme
   * Toxizität für den Boden
   * Treibhauseffekt
   * Ozonproduktion
   * Versauerung
   * Eutrophierung
   * Geruchsbelästigung
   * Flächenverbrauch
   * Verbrauch natürlicher Ressourcen

Diese zehn Einzelwerte werden durch Multiplikation der quantifizierten Umweltauswirkungen mit sogenannten Klassifikationsfaktoren gebildet. Diese Klassifikationsfaktoren berücksichtigen beispielsweise die Flüsse und Umwandlungsprozesse bestimmter Emissionen und die Empfindlichkeit der Umwelt gegenüber diesen Emissionen. Diese zehn Zahlenwerte bilden dann das Öko-Profil des Prozesses, im konkreten Fall das Öko-Profil der Endbehandlung einer Tonne Müll. Dieser Schritt zeigt deutlich, daß die Lebenszyklus-Analyse nur mit quantitativen Werten operieren kann. Qualitative Informationen müssen separat und in Ergänzung zum Öko-Profil betrachtet werden.

4. Bewertung der Umweltauswirkungen: Danach werden die zehn Einzelwerte des Öko-Profils standardisiert, also in die gleiche Einheit gebracht. Beispielsweise können die Werte als Prozentsätze der Gesamtbelastung einer bestimmten Region oder als Prozentsätze des Grenzwertes ausgedrückt werden. Nach dieser Standardisierung wird die relative Bedeutung der Einzelwerte im Zusammenhang mit der Entscheidungsfindung gewichtet. Nach dieser Standardisierung und Gewichtung werden alle Werte des Öko-Profils addiert. Dieses Endergebnis, der sogenannte "Umwelt-Index", beschreibt dann die Umweltauswirkungen des Prozesses. Danach wird die Richtigkeit des Endergebnisses durch eine Empfindlichkeitsanalyse geprüft.

5. Definition von Verbesserungsmaßnahmen: Schlußendlich werden auf Basis der Ergebnisse der Lebenszyklus-Analyse die Verbesserungsmöglichkeiten für den Prozeß ermittelt.

Vorteile dieser Methode gegenüber der Indikator-Methode, die in der SUP zum ersten Abfallwirtschaftsprogramm angewandt wurde, sind folgende:

   * sehr umfassende Umweltanalyse: Auswirkungen in allen Phasen der Abfallbehandlung werden berücksichtigt
   * Einschränkungen durch die Auswahl einer begrenzten Anzahl von Indikatoren werden vermieden
   * Umfassendere Bewertung der Auswirkungen: nicht nur die unterschiedlichen Emissionsmengen werden aufgezeigt, sondern auch wie sehr diese Emissionen zu aktuellen Umweltproblemen beitragen

Allerdings birgt die Anwendung der Lebenszyklus-Analyse auch einige Nachteile in sich:

   * Transparenz und Glaubhaftigkeit der Ergebnisse für die Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit steht durch die Komplexität der Analysen in Frage
   * nicht alle Klassifikationsfaktoren sind bekannt
   * Verlust des Überblicks über die entscheidenden Informationen durch die Zusammenfassung von Teilergebnissen zu einem Gesamtergebnis ("Umwelt-Index")
   * Angreifbare Bewertung durch die schwer objektivierbare Auswahl von Klassifikationsfaktoren
   * Probleme bei der Vereinheitlichung unterschiedlichster Umweltauswirkungen, die aber für die Zusammenfassung von Teilergebnissen zu einem Endergebnis notwendig ist
   * Gefahr der Vernachlässigung qualitativer, nicht in Zahlen faßbarer Aspekte, durch die starke Quantifizierung von Umweltauswirkungen in der Lebenszyklus-Analyse
   * enormer Daten- und Kalkulationsaufwand

Insgesamt waren mit der Anwendung der Lebenszyklus-Analyse gewisse Unsicherheiten verbunden, da diese Methode erst in Entwicklung begriffen ist und bisher nur für die Bewertung konkreter Produkte herangezogen wurde (Öko-Bilanz). Diese Unsicherheiten sollen auf nachfolgenden Planungsebenen (Abfallwirtschaftskonzepte auf Provinzen-Ebene) geklärt werden.

Die niederländische UVP-Kommission formulierte folgende Bedingungen für die Anwendung der Lebenszyklus-Analyse zum Vergleich der Handlungs-Alternativen:

   * gebührende Beachtung qualitativer Informationen
   * klare Erläuterung der einzelnen Stufen der Lebenszyklus-Analyse (Schritte der Zusammenfassung und Vereinheitlichung von Umweltauswirkungen)
   * klare Dokumentation aller Annahmen
   * klare Dokumentation der Unsicherheiten des Ergebnisses (z.B. durch die Wahl der Klassifikationsfaktoren, die Standardisierung und die Gewichtung, ...)
   * Diskussion der Bedeutung der Unsicherheiten und Annahmen für die Entscheidungsfindung
   * nachträgliche Prüfung der Richtigkeit und Glaubhaftigkeit der Ergebnisse (Empfindlichkeitsanalyse)
   * klare Beschreibung, welche Hauptauswirkungen das Endergebnis maßgeblich beeinflußt haben
   * zusätzliche Beschreibung der Hauptauswirkungen durch Indikatoren für die zehn Umweltthemen (wie im ersten 10-Jahres-Abfallwirtschaftsplan)

Ergebnis der SUP

Die SUP brachte die Erkenntnis, daß beim Alternativen-Vergleich die indirekten Auswirkungen (z.B. vermiedene Emissionen bei der Produktion von Eisen, Aluminium und Energie durch die Verwertung von Müll und durch die Energieproduktion durch thermische Verwertung) wichtiger und ausschlaggebender sind, als direkte Emissionen (z.B. während des Behandlungsprozesses). Aus diesem Grund ist die Alternative, die verstärkt auf Mülltrennungs-Techniken setzte und dadurch die Verwertung maximierte, die umweltverträglichste.

Gewonnene Erfahrungen

Durch die freiwillige Durchführung einer SUP bei der Erstellung des Abfallwirtschaftsprogramms für die gesamten Niederlande gab es deutliche Erleichterungen auf untergeordneten Planungsebenen (Abfallwirtschaftspläne der Provinzen). Da die Provinzen bei der Erstellung des nationalen Abfallwirtschaftsprogramms beteiligt waren und da sie sich an die Ergebnisse und Festlegungen gebunden fühlten, wurde die Durchführung von SUPs für die Abfallwirtschaftspläne auf Provinzen-Ebene überflüssig. SUPs wurden von den Provinzen nur mehr für Entscheidungen über neue Standorte für Behandlungsanlagen oder Deponien durchgeführt. Die SUP brachte auch für die Projekt-UVP Erleichterungen, da durch die vorgeschaltete Umweltprüfung auf Projekt-Ebene keine Verfahrens- und Kapazitätendiskussion mehr geführt werden mußte. Der Genehmigungsprozeß und das Bürgerbeteiligungsverfahren konnten beschleunigt werden. Dieses Beispiel zeigt deutlich, daß eine SUP auf höherer Entscheidungsebene SUPs für untergeordnete Planungen überflüssig machen kann. Diese Erkenntnis löste in den Niederlanden Bestrebungen aus, die gesetzlich vorgeschriebene SUP für Abfallwirtschaftskonzepte auf Provinzenebene durch eine verpflichtende SUP für den nationalen Abfallwirtschaftsplan zu ersetzen. Auf Provinzenebene wäre eine Abfall-SUP dann nur mehr für Standortentscheidungen vorgeschrieben.

Quellen:

Ministry of Housing, Spatial Planning and the Environment of the Netherlands: Strategic Environmental Assessment - Status, Challenges and Future Directions, 1996, S. 151

Dutch EIA-Commission: Advisory guidelines for the environmental impact statement Ten Years Programme Waste of the Waste Management Council 1995-2005, 1994

Verheem, R.: EA in Dutch Waste Management: From Policy to Project, 1998

Sites and research papers on waste management:

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